Welche Kamera ist die Richtige?

Wenn man sich auf eine Reise in den Südwesten aufmacht, möchte man auch das Maximum an Bildern herausholen. Hier ein paar einfache Tipps für den Durchschnittsreisenden, wie er mit vernünftigem Aufwand und kleiner Investition Freude an den eigenen Bildern haben kann. Im ersten Teil geht es vor allem darum, die Ausrüstung und deren Anwendung zu planen.

Wenn einer eine Reise tut, möchte er den Daheimgebliebenen davon berichten können. Vorbei ist die Zeit der endlosen Dia-Abenden, dafür muss heute auf Instagram, Flickr und Facebook Live-Berichterstattung betrieben werden. Um den gewollten Wow-Effekt auch erreichen zu können, hier ein paar Tipps, die auch von (Fast-) Laien befolgt werden können und gute Bilder schon fast garantieren.

Aufwand vs. Zeit

Die wichtigste Frage, die man sich früh genug vor der Reise stellen sollte: Wie viel Aufwand möchte ich für die Fotografie betreiben, bzw. welchen Anspruch habe ich an die Bilder, die ich von der Reise mitbringe?

Dies dünkt mich die alles entscheidende Frage. Auch ich als (Amateur-) Fotograf mit durchaus hohen Ansprüchen an meine Bilder mache auf Reisen in erster Linie Ferien. Ferien bedeutet Erholung – ob Fotografie zur Erholung gehört (bei mir ist es so), ist jedem selber überlassen.

Auf meinen ersten Reisen durch die USA quälte ich mich mit vollgepacktem Foto-Rucksack, Stativ, x Objektiven und Zubehör ab, und konnte die Ferien gar nicht richtig geniessen. Heute bin ich meist mit einer Bridge-Kamera (etwa der Panasonic FZ-2000) oder einer kleinen Mirrorless Kamera (Fuji X-E3) unterwegs, um den Rücken zu schonen – in den grossen Städten reicht mir sogar das iPhone.

Wenn man in einer Gruppe, mit Freunden oder Familie unterwegs ist, ist es wichtig, dass die ganze Gruppe einen einheitlichen Rhythmus hat – wenn dann ein Einzelner dreimal so viel Zeit benötigt, ein Bild zu schiessen wie der Rest der Gruppe, dann kann das schnell zu Spannungen führen. Also im Vornherein sich gut überlegen, wieviel Zeit man der Fotografie widmen möchte.

Art der Kamera

Sind wir ehrlich: Wenn wir nicht gerade Profifotograf sind und Ansel Adams heissen oder wegen unserem Instagram. Account sowieso immer einen Fotografen um uns herum haben, genügt eigentlich jede Kamera – teilweise sogar Smartphones eingeschlossen – unseren Ansprüchen.

Es sei denn, wir hätten uns in obenstehendem Abschnitt dafür entschieden, der Fotografie den grössten Stellenwert auf der Reise zu geben und ihr alles andere unterzuordnen – dann sind wir in diesem Artikel aber fehl am Platz, und ich vertröste auf einen späteren Artikel.

Die Qual der Kamera-Wahl

Welche Kamera soll es denn sein? Grundsätzlich empfehle ich, die bestmögliche Kamera mitzunehmen, die Budget, Umstände und das eigene Fachwissen erlauben. Grundsätzlich können wir folgende Kamera-Typen für den Amateur unterscheiden:

  • Spiegelreflex-Kameras mit entsprechenden Objektiven: Diese grossen, schweren Kameras liefern zweifelsohne die besten Bilder, wenn man denn weiss, was man tut. Wer nur auf Automatik fotografiert, braucht keine Spiegelreflex. Der jedoch gewillt ist, an einem schönen Ort ein paar Stunden auf den richtigen Moment zu warten, sollte auf eine gute Full-Frame-Spiegelreflex mit Weitwinkel, schnellem Normalobjektiv und Teleobjektiv nicht verzichten.
  • Mirrorless-Systemkameras: Sony, Fuji, Olympus und weitere Anbieter bieten Systemkameras mit Wechselobjektiven an, die aufgrund des fehlenden Spiegels kleiner und in den meisten Fällen günstiger als Spiegelreflex-Kameras sind, dennoch aber die Möglichkeit bieten, Wechselobjektive zu nutzen. Aufgrund des kleineren Bildsensors eigentlich weniger gut für Landschaftsfotografie geeignet machen sie diesen Nachteil durch gut durchdachte Optiken und die bedeutend geringere Schlepperei wieder wett.
  • Bridge-Kameras: eine kaum bekannte Kategorie Kameras, aber für Reisen hervorragend geeignet sind Bridge-Kameras wie die Panasonic FZ-2000, die man sich als Kind zwischen einer Spiegelreflex und einer Kompaktkamera vorstellen kann: Mit einem fixen nicht wechselbaren Objektiv kommt sie beinahe an die Grösse einer Spiegelreflex heran – braucht aber keine zusätzlichen Objektive. Bei einem guten verbauen Objektiv durchaus eine Alternative zur Spiegelreflex.
  • Kompakt-Kameras: Kompakte mit eingebautem Objekt gibt es von allen Herstellern in allen Qualitätsklassen; ist man mit einer Kompakten zufrieden, sollte man darauf achten, dass dennoch manuelle Einstellungen (mindestens Blende und Verschlusszeit) eingestellt werden können, und das Objektiv über einen ausreichenden Zoombereich (mindestens 18mm bis 85mm Kleinbild-Äquivalenz) verfügt. Sonst kann man gleich zum (guten) Smartphone greifen.
  • Smartphones: Legt man nur Wert auf Schnappschüsse (da man gute Bilder von allen Orten von Profis geschossen im Netz findet), reicht ein gutes Smartphone ebenfalls. Insbesondere die iPhones der neueren Generationen aber auch Geräte anderer Hersteller bieten unterdessen eine software-optimierte Qualität, die sich sehen lassen kann. Zu achten ist unbedingt darauf, dass mehrere Objektive verbaut sind, und nicht digital gezoomt wird.

Wie man sieht, ist für jeden etwas dabei.

Wechselobjektive oder nicht?

Legt man Wert auf die Qualität der eigenen Aufnahmen und hat einiges an Foto-Erfahrung (man weiss zumindest, welchen Einfluss Blende und Verschlusszeit haben und hat von ISO auch schon mal gehört), dann kommt man um Kameras mit Wechselobjektiven eigentlich kaum drum rum.

Die Flexibilität eines qualitativ hochwertigen Objektivsatzes ist nicht zu unterschätzen; in gewissen Situationen kann die Lichtstärke eines Objektives ausschlaggebend sein.

Auf der anderen Seite jedoch ein grosses Aber: Wechselobjektive bergen das Risiko von Staubeinfall beim Wechsel. Auf einer Reise ist mir gleich mehrmals passiert, dass beim Wechsel Staub auf den Sensor gefallen ist – das Resultat sind Bilder, die vollkommen verdreckt sind, sowie ein grosser Frust.

Eine entsprechende Bridge-Kamera oder gar eine gute Kompakte können dieses Risiko minimieren, bei bei guter Handhabung vertretbarer Qualitätsminderung.

Halb-Automatik

Fast wichtiger noch als das Wechseln der Objektive ist die Möglichkeit, die Automatik zu umgehen und selbst Einfluss auf die Einstellungen nehmen zu können – sowohl Blende, Verschlusszeit, Empfindlichkeit (ISO) und Fokus sollten manuell gewählt werden können, sonst sind gewisse Aufnahmen (beispielsweise des Sternenhimmels mit Milchstrasse oder nur schon der aufgehende Mond im Monument Valley) kaum realisierbar.

Wer sich mit manueller Fotografie auskennt – oder es lernen möchte, ist gar nicht so schwer – sollte unbedingt zu einer Kamera greifen, die manuelle Einstellungen erlaubt.

Sag mir, wer Du bist

— und ich sage dir, welche Kamera du brauchst. Oder so. Grundsätzlich würde ich Folgendes empfehlen:

  • Ist Fotografie dein Hobby und bezeichnest du eine Reise in den Südwesten als Foto-Trip, dann kommst du um eine Spiegelreflex mit einem Satz guter Objektive nicht drumherum. Aber das weisst Du in dem Fall ja schon. Oder Mittelformat. Oder analog…
  • Möchtest Du qualitativ hochwertige Bilder schiessen und kennst Dich mit Fotografie bereits etwas aus, hast auch die manuellen Funktionen bereits kennengelernt und möchtest der Fotografie einen gewissen Stellenwert auf der Reise einräumen, dann ist entweder eine Bridge-Kamera oder ein Mirrorless-System die richtige Wahl – je nach dem, was Du bereits kennst.
  • Möchtest Du etwas bessere Bilder als durchschnittlich machen, ist eine gute Kompaktkamera zu empfehlen, etwa die Fuji X100-F oder -V: Eine Kamera mit Charakter und der Möglichkeit, selber zu experimentieren.
  • Ist dir Fotografie wenig wichtig, und du möchtest vor allem Schnappschüsse deiner Liebsten (während Sie sich mit der Fotografie abmühen?) – dann wähl ein gutes Smartphone mit mehreren verbauten Objektiven und guter Kamera-Software, und du bist bedient.
  • Bist du Hipster und/oder Künstler und möchtest in der Gaussschen Normalverteilung aller knipsenden Menschen allenfalls am äussersten Rande auftreten, ist eine Analog-Kamera mit Fixobjektiv, am Besten eine Leica (oder eine Lomo!), genau das Richtige für Dich. Entsprechende Schwarzweiss-Filme nicht vergessen ;-).

Fazit

So bös es tönt, die gewählte Kamera ist eigentlich zweitrangig, ausser die selbst gesetzten Ambitionen verlangen nach einem bestimmten Typ.

Die heutige Technologie ist bei allen Kameras – ausser vielleicht den billigsten – so gut, dass alle für halbwegs brauchbare Bilder taugen, die in den sozialen Medien oder im Fotoalbum gezeigt werden können.

Schlussendlich geht es darum, was man daraus machen möchte, und welcher Kameratyp am Besten zu einem passt – schliesslich ist man in den Ferien, und möchte auch was erleben, und nicht nur durch den Sucher gucken.

Im nächsten Teil schauen wir uns an, was im Speziellen bei der Landschaftsfotografie zu beachten ist, und welche Kombinationen von Brennweite, Blende und Verschlusszeit am meisten Sinn ergeben.